Stiftungsgeschichte
Der zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit
Gebäude und Vermögen wurden im Jahre 1941 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und zugunsten der sog. Reichsvereinigung der Juden entschädigungslos enteig-net. Die Stiftung wurde in dieser Zeit aufgelöst. Schon im September 1941 wurde das Heim in ein Judenhaus umgewandelt, in das aus ihren Wohnungen vertriebene Juden einquartiert wurden. Im Dezember wurden die Bewohner nach Riga, Auschwitz und Theresienstadt verschleppt. Von dort kehrte niemand mehr zurück. Nach der Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse in Deutschland wurde klar, dass die Verheerungen, die unter dem früheren Regime angerichtet worden waren, dazu geführt haben, dass der ursprüngliche Stiftungszweck nicht mehr weitergeführt werden konnte: ein Heim für ältere Menschen jüdischen Glaubens zu betreiben. Außerdem fehlte es an Geld, die durch die jahrelange Zweckentfremdung aufgrund der Nutzung als Judenhaus und als Dienststelle für SS und Besatzungsmacht entstandenen Schäden zu beseitigen. Bei den Überlegungen zu einer Neugründung wurde daher die rein mildtätige Orientierung zugunsten der Wissenschaftsförderung und der internationalen Verständigung aufgegeben. Neben der Unterstützung allgemeiner mildtätiger und wissenschaftlicher Einrichtungen sollte die Minna-James-Heineman-Stiftung künftig hauptsächlich der Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Ausbildung und Zusammenarbeit im In- und Ausland dienen. Sie hatte sich damit von einer Anstaltsstiftung zu einer Kapitalstiftung gewandelt.Die Neugründung 1951
Im Jahre 1951 wurde die Minna-James-Heineman-Stiftung als rechtsfähige Stiftung neu gegründet. Ihr Vermögen bestand zunächst nur in dem Wiedergutmachungsanspruch auf die Rückübertragung des früheren Stiftungsvermögens das zunächst der Jewish Trust Cooperation zugesprochen worden war. Nach Wiedererlangung des Stiftungsgrundstücks wurde dieses an die Stadt Hannover verkauft, die im Heinemanhof wieder ein Altenheim betreibt.Im Jahre 1955 konnte die Stiftung, wenn auch zunächst nur in bescheidenem Umfang, mit der Erfüllung ihrer Stiftungszwecke beginnen; größere Förderungen konnte sie allerdings erst ab 1961 leisten, nachdem die langwierige Rückübertragung des Stiftungsvermögens abgeschlossen war. Die Minna-James-Heineman-Stiftung begann ihre Tätigkeit im Bereich der Wissenschaftsförderung nach einer kurzen Experimentierphase damit, Zuwendungen an wissenschaftliche oder sonst gemeinnützige Institutionen zu leisten, z.B. an die Technische Hochschule Hannover, die Wilhelm-Busch-Gesellschaft Hannover oder die Vereinigung deutscher Wissenschaftler e.V. Das Weizmann-Institut in Rehovot wurde durch Beteiligung an den Kosten der Errichtung des Dannie N. Heineman Accelerator Laboratoriums unterstützt. Der Accelerator war imstande, Protonen mit einer Energie von 15 Millionen Elektronenvolt und andere Ionen bis zu 50 Millionen Elektronenvolt oder mehr zu beschleunigen. Mit ihm ließen sich die Eigenschaften des Atomkerns vermessen und ermöglichten den israelischen Forschern entscheidende Erkenntnisse der Kernstruktur.
Seit 1965 wurde die Förderung fast ausschließlich durch Stipendien an einzelne Wissenschaftler vollzogen. Bis zum Jahre 1986 wurden Stipendien an Wissenschaftler aller Nationalitäten zur Durchführung von Forschungsaufenthalten im Ausland, vorrangig auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, vergeben. Jeder Geförderte hatte seine Studien an einer für ihn ausländischen Universität durchzuführen. Zum Beispiel erhielt ein Süd-Koreaner, der sein wissenschaftliches Projekt an der Universität von Seoul begonnen hatte, ein Stipendium zur Fortsetzung seiner Studien am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.), Cambridge, Mass./U.S.A. Die Förderung war auf ein Jahr beschränkt. Die Heimatuniversität musste mit einem Wechsel des Geförderten einverstanden sein, die Gastuniversität den Kandidaten und sein Projekt akzeptieren. Bis Ende 1986 wurden Stipendien und Beihilfen an 252 Wissenschaftler aus 34 Ländern vergeben.
Die Reorganisation 1987
In 1987 wurde die Verwaltungsorganisation und die Tätigkeit der Stiftung erneut reorganisiert. Die Förderung kam weiter in erster Linie den Naturwissenschaften zugute. Ein Schwerpunkt wurde jedoch im Bereich der medizinischen Forschung und der Biochemie gesetzt. Die Geschäfte der Nachkriegsstiftung waren seit dem Februar 1960 von Sibylle Evelt in Hannover geführt worden, die seit 1960 auch Mitglied des Stiftungsvorstandes und seit 1974 dessen Vorsitzende war. Als sie Ende März 1987 ihre Ämter niederlegte, ging die laufende Geschäftsführung der Minna-James-Heineman-Stiftung zum 1. September 1987 auf den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. mit seiner Hauptverwaltung in Essen über. Damit waren weitere grundlegende Veränderungen verbunden: Der Verwaltungssitz wurde von Hannover nach Essen verlegt, die Satzung neu gefasst, das Vermögen umgeschichtet und die Förderpolitik neu ausgerichtet.
Ihre satzungsgemäßen Leistungen erbringt die Stiftung heute zum größeren Teil durch die Förderung internationaler Kooperation in der naturwissenschaftlichen Forschung (sog. Kooperationsvereinbarung).
Das Heineman Medical Research Center in Charlotte, North Carolina/U.S.A., das Weizmann-Institut der Wissenschaften in Rehovot/Israel und die Max-Planck Gesellschaft in Deutschland sind Teile dieser Form der Zusammenarbeit. Die übrigen Zuwendungen sollten in gewisser Weise der besonderen Bindung der Stiftung an den Raum Hannover gerecht werden.












